Mineralstoffchemie · Ausgabe 2026

Ein Vorgang, der in jeder Zelle mitläuft

Wo Sauerstoff umgesetzt wird, fallen nebenbei Teilchen mit einem ungepaarten Elektron an. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern eine Begleiterscheinung des gewöhnlichen Betriebs: Die Atmungskette reicht Elektronen über mehrere Stationen weiter, und ein kleiner Anteil davon findet vorzeitig einen Sauerstoffpartner.

Der Körper hält dafür Enzyme bereit, die solche Teilchen in unauffällige Moleküle überführen — in Wasser, in gewöhnlichen Sauerstoff, in Alkohole. Zwei dieser Enzymklassen tragen einen Mineralstoff in ihrem Bau: die Glutathionperoxidasen ein einzelnes Selenatom, die Kupfer-Zink-Dismutase je ein Kupfer- und ein Zinkion.

Auf diesen Seiten steht zuerst die Chemie, danach das Regelwerk. Die Enzymbeschreibungen stammen aus der Fachliteratur; die beiden freigegebenen Sätze stammen aus einem Zulassungsverfahren der Europäischen Union. Vermischt werden die zwei Ebenen hier nicht.


Superoxid, Wasserstoffperoxid und die Enzyme, die sie umsetzen

Wissenschaftliche Fakten zu zwei Mineralien — gemäß EU-Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Zur ausführlichen Sachinformation
Cu / Zn Se

Die beiden Elemente an ihrem jeweiligen Enzym

Beide Mineralstoffe kommen in Eiweißen vor, die mit reaktiven Sauerstoffverbindungen umgehen — auf sehr unterschiedliche Weise. Der eine ist Teil der Kette selbst, der andere sitzt als Ion in einer Tasche.

Se 34

Selen: eingebaut, nicht angelagert

Selen erreicht seine Enzyme nicht als loses Ion. Es steckt in Selenocystein — einer Aminosäure, die schon beim Zusammenbau der Eiweißkette an einer festgelegten Stelle eingesetzt wird. In den Glutathionperoxidasen liegt dieser Baustein im aktiven Zentrum und ist am Umsatz von Peroxiden unmittelbar beteiligt. Fällt der Baustein aus, entsteht kein halbfertiges Enzym, sondern eine kürzere Kette ohne Aktivität.

Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Zn 30

Zink: fest gebunden, chemisch zurückhaltend

In der Kupfer-Zink-Dismutase besetzt Zink einen eigenen Platz aus drei Histidinresten und einem Aspartat. Am Umsatz selbst nimmt es nicht teil. Seine Aufgabe liegt in der Geometrie: Es hält die Schleife des Proteins in Form und stabilisiert den benachbarten Platz, an dem die eigentliche Reaktion abläuft.

Zink trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Zwei Zahlen aus Anhang XIII

Auf Packungen erscheint neben der Menge oft ein Prozentwert. Er bezieht sich auf die folgenden Tagesbeträge, die das Kennzeichnungsrecht für beide Elemente festlegt.

ElementTagesbezugEinheit
Selen55µg
Zink10mg

Beide Zahlen dienen der Etikettierung nach Verordnung (EU) Nr. 1169/2011. Eine Empfehlung für einzelne Personen lässt sich aus ihnen nicht ableiten.


Was sich an dieser Stelle genauer sagen lässt

Wasserstoffperoxid verlässt die Zelle nicht — es wird umgesetzt

Wasserstoffperoxid ist klein, ungeladen und wandert ohne Kanal durch Membranen. Genau deshalb wird es dort abgebaut, wo es entsteht. Die Glutathionperoxidasen nehmen ihm zwei Elektronen ab und geben dafür Wasser zurück; die Elektronen liefert Glutathion, ein kurzes Molekül aus drei Aminosäuren, das bei diesem Schritt paarweise verbraucht wird.

Das Selenatom im aktiven Zentrum wechselt dabei dreimal seinen chemischen Zustand und kehrt am Ende in den Ausgangszustand zurück. Verbraucht wird es nicht. Ein Enzymmolekül durchläuft diesen Kreis viele Tausend Mal, solange Nachschub an Glutathion vorhanden ist. Auf diesen biochemischen Zusammenhang bezieht sich die Zeile, die die Europäische Union für Selen freigegeben hat: Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

Der zweite Metallplatz und seine Aufgabe

Die Kupfer-Zink-Dismutase trägt zwei Metalle in einem einzigen Faltungsbereich, und beide haben sehr verschiedene Rollen. Das Kupferion nimmt ein Elektron auf und gibt es wieder ab — daran hängt der Umsatz. Das Zinkion tut nichts dergleichen: Es hält seine vier Bindungspartner in gleichbleibendem Abstand und macht damit die Tasche erst formstabil.

Bemerkenswert ist die Bauweise dieser Nachbarschaft. Ein einziger Aminosäurerest liegt zwischen beiden Ionen und wird von beiden zugleich gefasst. Fällt das Zink aus der Bindung, verliert auch die Kupferseite ihre Geometrie. In diesem Sinn ist das zweite Metall ein Bauteil und kein Reaktionspartner. Die dazu freigegebene Formulierung lautet unverändert: Zink trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

Der zulässige Wortlaut, Element für Element

Beide Sätze sind an je ein Element gebunden und gehen auf zwei getrennt geführte Bewertungsverfahren zurück. Im Anhang der Verordnung stehen sie untereinander, nicht in einem gemeinsamen Satz — und so werden sie auch hier wiedergegeben:

Selen trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Zink trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Verwendbar sind sie nur für Erzeugnisse, die von dem jeweiligen Element eine im Sinne der Nährwertkennzeichnung nennenswerte Menge mitbringen. Eine Zufuhrmenge nennen sie nicht, einen Zeitraum nennen sie nicht, und über Krankheiten, deren Verhütung oder deren Verlauf sagen sie nichts. Alles Übrige auf dieser Seite ist beschreibender Text der Redaktion.


Wie viel Text steht hinter diesen Abschnitten?

Diese Seite fasst in wenigen Absätzen zusammen, was die Ausgabe 2026 auf 46 Seiten ausführt: den Reaktionszyklus des Selenatoms in seinen drei Zwischenstufen, die Koordination beider Metallplätze der Dismutase mit Abbildung, die Kettenreaktion an ungesättigten Fettsäuren, zwei Gehaltstabellen samt Streubreite je Warengruppe sowie zu jedem Abschnitt eine Quellenzeile mit Jahr und Fundstelle.

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